Der Körper findet in seine natürliche Organisation
Von Sabine Reber
Als berufstätige alleinerziehende Mutter bin ich Multitasking gewohnt. Und dennoch bringen mich einige CANTIENICA®-Übungen an meine Grenzen. Wie kann man so viele Anweisungen gleichzeitig berücksichtigen?
Mein Plan war von Anfang an klar: Ich möchte Ordnung schaffen in meinem Körper. Die Gelenke ausrichten, die Arm- und Beinachsen der Vivatomie® gemäß verschrauben und stabilisieren. Die Wirbelsäule vom Kreuzbein bis zum Kronenpunkt aufrichten, das Becken richten, den Organheber und das Zwerchfell aufspannen.
Soweit der Plan.
Meine Körperteile aber streben auseinander. Der rechte Oberschenkel macht, was er will. Das linke Schulterblatt hält sich nicht still, wo es doch in meiner Vorstellung ruhig den Rücken hinabfließen sollte. Und was genau machen schon wieder die Sitzbeinhöcker? Wie war das mit dem Steißbein? Sanft vom Kreuzbein weg ausrichten. Nicht ziehen, nicht drücken. Nur ausrichten.
Ich lese die Anweisungen, lese sie ein zweites Mal und streiche mit einem orangen Leuchtmarker ganze Textblöcke an. Trotzdem fällt mein Körper immer wieder in seine alten Gewohnheiten zurück.
Was mir hilft, sind die cantienischen Grundsätze: von unten nach oben arbeiten. Erst die Füße, dann die Beine, das Becken, der Brustkorb, die Schultern, der Hals, der Kronenpunkt. Eine Körperpartie nach der anderen.
Kaum bin ich oben angelangt, haben die Unterschenkel allerdings längst wieder ihre eigenen Pläne.
Also beginne ich von vorn.
Mit der Zeit merke ich: Der Körper lernt. Die Anweisungen, die anfangs knifflig wirken, werden vertrauter. Ich muss nicht mehr jeden einzelnen Knochen bewusst überwachen. Aus Konzentration wird allmählich ein Körpergefühl.
Nur die Beinschere bleibt hartnäckig.
In dieser akrobatisch anmutenden Seitwärtsposition soll das Becken stabil bleiben, während das obere Bein in der Luft schwebt. Sobald ich den Arm ausstrecke, ist es um die Stabilität geschehen. Während ich versuche, die Oberschenkel ausgedreht zu halten, löst sich die Spannung der Längsbänder. Der ganze Zauber fällt in sich zusammen, und ich sinke wie ein Sack auf die Matte.
Noch einmal.
Und noch einmal.
Dann klappt es plötzlich.
Das Becken bleibt stabil. Der Arm fliegt zur Decke. Das obere Bein pendelt mit erstaunlicher Leichtigkeit vor und zurück. Die Übung fühlt sich nicht mehr kompliziert an. Sie fühlt sich logisch an.
Jetzt beginnt die Sache Spaß zu machen.
Ich rufe meine Tochter und zeige ihr stolz meine Beinschere. Sie legt sich neben mich auf die Matte und sagt: „Ist doch klar, Mami. Schau, das kann ich auch. Das ist doch logisch.“
Bei ihr sieht es auf Anhieb richtig aus.
Ich staune, lege mich wieder auf die Seite und probiere es noch einmal. Und tatsächlich: Jetzt fühlt sich die Beinschere auch für mich logisch an.
Wenn eine Bewegung stimmt, merkt man es. Der Körper wird stabil und gleichzeitig leicht. Plötzlich weiß man genau: So ist es gemeint.
Das ist die Körperintelligenz, von der Benita Cantieni spricht. In jedem Körper schlummert eine innere Ordnung. Manchmal ist sie unter alten Gewohnheiten verschüttet. Doch sie ist vorhanden. Sie kann wieder geweckt werden.
Dann ordnet sich das vermeintliche Chaos.
Es ist nie zu spät, damit anzufangen.
Sabine Reber, geboren 1970 in Bern, aufgewachsen in Biel, arbeitete als Redaktorin, Reporterin und Autorin für verschiedene Schweizer Zeitungen, bevor sie sich 1997 als freischaffende Schriftstellerin selbstständig machte. Seitdem hat sie Gedichtbände, Erzählungen, Reisebücher und Gartenbücher veröffentlicht und internationale Preise gewonnen.
In der Kolumne «Körperwärts» wagt sie sich auf neues Terrain: Statt Pflanzen erkundet sie Psoas, Beckenboden und Schulterblätter – mit derselben Neugier und Begeisterung, die sie seit Jahrzehnten in den Garten treibt.
Ein paar Fragen. Ein klarerer Blick.
Dieser Selbsttest hilft dir einzuschätzen, ob die CANTIENICA®-Ausbildung zu deinem Körperwissen, deiner Arbeitsweise und deinen beruflichen Plänen passt.
Klick dich durch die Seiten. Lies die Aussagen und wähle aus, was auf dich zutrifft
Was zieht dich zur CANTIENICA®-Methode?
Wie arbeitest du am liebsten mit Menschen?
Was soll die Ausbildung für dich möglich machen?
Wie viel Neugier bringst du für Anatomie mit?
CANTIENICA® könnte gut zu dir passen.
Du interessierst dich für Körperintelligenz, Präzision und nachhaltige Veränderung. Das ist eine gute Grundlage für die Ausbildung.
Der nächste sinnvolle Schritt:
Ein Einblicktag zum Schnuppern.
Du erlebst die Methode in der Praxis, lernst Lehrende und Teilnehmende kennen und bekommst ein realistisches Bild davon, was dich in der Ausbildung erwartet.
Wer bereits überzeugt ist, kann direkt mit der Ausbildung starten.