Ist der Ischiasnerv durch Fehlhaltung eingeklemmt, so kann er durch die Veränderung der Haltung wieder freigelegt werden. Je früher und schneller, desto besser. Denn durch die Reibung kann sich der Nerv entzünden und dann ist das Training schwierig, weil die Schmerzen stark sind. Eine gute Osteopathin, ein guter Osteopath oder eine gute Physiotherapeutin, ein guter Physiotherapeut kann im Akutfall manuell therapieren. Wenn der Nerv wieder frei ist, soll sofort mit dem Training begonnen werden, damit die autochthone Muskulatur ihre Aufgabe erfüllen kann: An der aufgespannten Wirbelsäule die Wirbel im größtmöglichen Abstand und die Durchtrittskanäle der Nerven offenhalten.
Das Piriformis-Syndrom passt insofern zum Ischiassyndrom, als es auch in der „Knochenenge“ entsteht. Der Piriformis ist ein kleiner birnenförmiger Muskel, der das Kreuzbein mit dem Trochanter (Rollhügel) des Oberschenkels verbindet. Sind Oberschenkelknochen und Darmbeinschaufeln nach vorne eingedreht, statt nach außen, so zwingt das dem Piriformis eine Länge, eine Art Umweg auf, für den er nicht geschaffen ist. Durch Ausdrehen der Oberschenkelmuskeln aus der Leiste öffnen sich die Gelenke sofort und der Piriformis beruhigt sich.
Piriformis-Syndrom ist oft anzutreffen bei Männern, die ihre Gluteusmuskeln ständig anspannen, das hindert die dafür zuständige Oberschenkelmuskulatur am Ausdrehen, der Tractus Iliotibialis verhärtet (das ist die Sehnenplatte seitlich am Bein). Dieses Muster ist leicht zu erkennen an der großen Kuhle seitlich am Gesäß. Durch die behutsame Sanierung der Beinachse, die Ausrichtung des Beckens, gestützt und geschützt vom Levator ani (statt den Gluteusmuskeln), verschwindet das Piriformis-Syndrom. Der/die Trainierende lernt, wie er/sie die Beschwerden schnell wieder los wird, wenn sie sich beim Eifer des Sports – Marathonlauf zum Beispiel – wieder einmal einstellen.
Bei Frauen führen falsch verstandenes Beckenbodentraining (Schließmuskeln, Aufzugübungen durch die Vagina) und X-Beinstellung mit entsprechender Fußhaltung oft zu Piriformis-Blockaden.