Aufrichtung beginnt in den Knochen
Aufrichtung. Das Grundprinzip der CANTIENICA®-Methode
Der Mensch ist für die aufrechte Bewegung gebaut. Knochen, Gelenke und Muskeln bilden ein bewegliches Ganzes. Wie gut sie zusammenspielen, hängt wesentlich davon ab, wie der Körper organisiert ist.
Hier setzt die CANTIENICA®-Methode an: Die Knochen werden bewusst ausgerichtet, die Gelenke bekommen Raum, die Tiefenmuskulatur wird aktiviert und in die Bewegung integriert. So entwickelt sich Aufrichtung von innen – vom Boden bis zum Kronenpunkt.
Aufrichtung beginnt in den Knochen. Bevor Muskeln trainiert werden, richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Skelett: Wie stehen die Knochen zueinander? Wo entsteht Raum? Wo entsteht Länge? Wie trägt sich der Körper?
Benita Cantieni erforscht diese Zusammenhänge seit Jahrzehnten. In ihrer Vivatomie® macht sie sichtbar, wie sich die Organisation des Skeletts verändern kann.
Vorher
Vorher:
Die Lendenwirbelsäule ist eingesackt, der Kopf hängt vorn, die Schultern kollabieren.
Nachher
Nachher (nach Anleitung):
Das Steißbein schwebt, das Kreuzbein richtet sich auf, der Atlas trägt den Schädel – und plötzlich „atmet“ die Wirbelsäule von innen.
Was verändert sich bei der Aufrichtung?
Aufrichtung verändert die Perspektive – im wörtlichen und im übertragenen Sinn.
Der Kopf hebt sich, der Blick geht in die Welt, der Brustkorb bekommt Raum. Du stehst stabil auf deinen Füßen, gewinnst Länge, Beweglichkeit und Präsenz.
Aufrichtung verändert auch, wie du dich selbst und deine Umgebung wahrnimmst.
Hier berührt die CANTIENICA®-Methode das Thema Embodiment: Körperhaltung, Bewegung, Wahrnehmung und Erleben beeinflussen sich gegenseitig.
Benita Cantieni hat diese Wechselwirkungen gemeinsam mit Maja Storch, Gerald Hüther und Wolfgang Tschacher im Buch Embodiment – Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen untersucht und beschrieben.
Die Aufrichtung kann dir helfen, dich körperlich und innerlich präsenter, beweglicher und selbstbewusster zu erleben.
Knochen und Tiefenmuskulatur arbeiten zusammen
Mit der Ausrichtung des Skeletts verändert sich auch die Arbeit der Muskulatur.
Die CANTIENICA®-Methode richtet besondere Aufmerksamkeit auf die Tiefenmuskulatur: unter anderem auf den Beckenboden, die tiefen Muskeln entlang der Wirbelsäule und das Zwerchfell. Sie unterstützen das Skelett bei Aufrichtung, Stabilität und Bewegung.
Benita Cantieni beschreibt die aufgerichtete Wirbelsäule mit dem Bild, sie „atmet von innen“. Die Wirbelsäule bekommt Raum, ihre Abschnitte können beweglich zusammenspielen, der Brustkorb kann sich entfalten.
Aufrichtung bleibt damit lebendig und reaktionsfähig – beim Stehen ebenso wie beim Sitzen, Gehen, Drehen oder Liegen.
Aufrichtung, Ausrichtung, Aufspannung
Drei Begriffe gehören in der CANTIENICA®-Methode untrennbar zusammen.
Ausrichtung: Die Knochen werden präzise zueinander ausgerichtet. Die Gelenke bekommen Raum.
Aufrichtung: Vom Boden weg in die Länge wachsen. Das Kreuzbein richtet sich auf, die Wirbelsäule spannt sich bis zum Kronenpunkt auf.
Aufspannung: Die Knochen gewinnen Raum zueinander, die Tiefenmuskulatur wird aktiviert. Der Körper entwickelt Länge, Stabilität und Beweglichkeit.
Jede Veränderung wirkt sich auf das Ganze aus. Die Füße beeinflussen die Beinachsen, das Becken trägt die Wirbelsäule, der Atlas den Schädel.
Aufrichtung lässt sich lernen
Aufrichtung ist eine trainierbare Fähigkeit.
Die Voraussetzung ist Wahrnehmung: Wo sind meine Knochen? Wie stehen sie zueinander? Wo entsteht mehr Raum? Was verändert sich, wenn sich das Kreuzbein aufrichtet oder der Schädel vom Atlas tragen lässt?
Im CANTIENICA®-Training werden solche Veränderungen präzise angeleitet und am eigenen Körper überprüft. Mit zunehmender Erfahrung wird die Wahrnehmung differenzierter, und die neue Organisation lässt sich immer selbstverständlicher in Bewegung und Alltag integrieren.
Aufrichtung selbst erleben
Anwendungsbeispiel: Die Wirbelsäule aufrichten
In der klassischen Anatomie ist die Wirbelsäule ein statisches Gebilde. In der Vivatomie ist sie ein lebendiges, pulsierendes Organ der Aufrichtung.
Ein einfaches Beispiel aus dem Training:
Von unten nach oben
7 Vertikal denken
Von Sohle bis Scheitel in die Vertikale aufspannen – und entspannen.
6 Schultergelenke freisetzen
Schlüsselbeine weit auseinander dehnen, Oberarmkugeln aus dem Schulterdach befreien, die Arme entspannt hängen lassen. Die Schulterblätter tief und nah am Rücken halten.
5 Kopf hoch
Kronenpunkt an einem imaginären Faden Richtung Himmel ziehen, der Kopf thront schwerelos auf dem letzten Halswirbel. «Ng ng ng» sprechen.
4 Wirbelsäule aufspannen
Das Kreuzbein tiefer in den Körper einladen und mit allen anderen Wirbeln nach oben dehnen. Die Mittellinie an der Bauchseite so lang halten wie die Wirbelsäule. Den Kronenpunkt genau über dem Damm ausrichten. Vom Damm zum Kronenpunkt atmen.
3 Becken aufrichten, Beckenboden aktivieren
Sitzbeinhöcker, Schambein und Steißbein senkrecht ausrichten und hoch über den Beinen halten. Sitzbeinhöcker zart zusammenziehen, lösen, zusammenziehen, lösen. Tagein, tagaus pulsierend…
2 Vom Boden weg denken
Die Unterschenkel vom Sprunggelenk weg nach oben dehnen. Die Oberschenkel vom Knie weg dehnen.
1 Füße ausrichten
Füße hüftschmal und leicht in V-Stellung. Mitte der Ferse und das Großzehengrundgelenk über dem Boden schweben lassen. Knie entspannen.
Von unten nach oben!
Häufige Fragen zur Aufrichtung
Auf-Richtung heißt bei Benita Cantieni: vom Boden weg, in die Länge, in Freundschaft mit der Schwerkraft.
Gib deinen Knochen Raum. Halte die Gelenke frei. Spanne die Wirbelsäule zum Kronenpunkt auf. Diese Grundlänge aus den Knochen schafft die Voraussetzung für eine bewegliche, tragfähige Haltung.
Nutze die Schwerkraft für dich.
Benita Cantienis Bild dafür ist der Baum: Er wächst mit der Schwerkraft. Auch dein Körper kann sich vom Boden weg in die Höhe aufspannen. Die Schwerkraft wird zur Leichtkraft.
Ein hoch getragener Schädel, eine aufgespannte Wirbelsäule und freie Gelenke machen Aufrichtung leichter und selbstverständlicher.
Die Füße sind der Kontakt zur Erde und damit der Ausgangspunkt der Aufrichtung.
Fersenmitte und Großzehengrundgelenk geben Orientierung. In der leichten V-Stellung richtet sich die Fußachse aus, die Beinachse folgt, das Becken bekommt seine Basis.
Benita Cantienis Prinzip: vom Boden wegdenken. Aus diesem Kontakt wächst die Aufspannung nach oben.
Das Becken ist die Basis der Wirbelsäule und ein Schlüssel zur Aufrichtung.
Sitzbeinhöcker, Schambein, Steißbein und Kreuzbein geben Orientierung für die Auf- und Ausrichtung. Der Organheber – der Levator ani – wirkt dabei von innen mit.
Auf einem gut gestellten Becken kann sich die Wirbelsäule nach Benita Cantieni nahezu schwerelos auf- und ausrichten. Der Levator ani ist über den Multifidus mit der tiefen Muskulatur entlang der Wirbelsäule vernetzt.
Wie unten, so oben. Was im Becken geschieht, wirkt weiter in Wirbelsäule, Brustkorb und Schädel.
CANTIENICA® Körper in Evolution arbeitet mit der Tiefenmuskulatur: mit dem Levator ani im Beckenboden, den Multifidi und der autochthonen Muskulatur entlang der Wirbelsäule – und mit dem Zwerchfell.
Beckenboden und Zwerchfell gehören eng zusammen. Benita Cantieni beschreibt die beiden Muskelsysteme als Schale und Deckel des Körperstamms. In ihrem Beckenbodenbuch beschreibt sie ihre embryonale Entwicklung aus einer gemeinsamen Membran; später bilden sie Unterteil und Oberteil und bleiben miteinander vernetzt.
In der Aufrichtung arbeiten diese tiefen Strukturen zusammen: der Organheber richtet von unten auf, das Zwerchfell spannt den Brustkorb auf, die Wirbelsäule bekommt Länge und Bewegungsfreiheit.
Die erste Veränderung kannst du oft sofort spüren: mehr Länge, mehr Raum in den Gelenken, einen leichteren Kopf, einen anderen Stand.
Dauerhafte Veränderung entsteht durch Wiederholung. Je öfter du die Aufspannung findest und im Alltag nutzt, desto mehr wird sie zur Gewohnheit.
Das CANTIENICA®-Prinzip ist sehr praktisch: spüren, ausprobieren, wiederholen. Aufrichtung wird mit der Zeit Körperwissen.
Aufrichtung selbst erleben
Wie fühlt es sich an, wenn deine Knochen Raum bekommen, die Wirbelsäule in die Länge wächst und die Schwerkraft zur Leichtkraft wird?
Probier es aus. Entdecke, was in deinem Körper steckt.
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